machina ex: theatrale point'n'click adventures in lebensechter graphik

the cake is a_li(v)e

dsc_0234-kopie gefragt was “kafkaesk” eigentlich bedeuten soll, fielen mir als erstes grausame monochrome bilder von verzerrten fleischlichen wesen zwischen maschinenteilen ein, dann die sprechende käferschreibmaschine aus david cronenbergs naked lunch und dann der absurde haufen nutzloser, menschenunwürdiger bürokratie, der machina ex und vor allem laura schäffer seit wochen verfolgt. wie die alpträume von dem papiermonstersamurai, die sam lowry, die hauptfigur in terry gilliams “brazil” immer wieder heimsuchen, zermalmt der wust aus rechts- besitz- und haftungs-anspruchsregelungen zusammen mit dem hirn der bürokratie, dem steuer- und gewerberecht alles unter seinen füßen. dabei wankt das grässliche wesen aus antragsformularen, ausnahmeregelungen und nie zutreffenden gesetzen unaufhaltsam auf uns zu und verdirbt dabei so einiges: spaß am zusammensein zum beispiel. ich kann bei mir schon seit geraumer zeit feststellen, dass der druck den radikaldemokratische kollektivarbeit auf meine position als verantwortlicher und organisator des kollektivs ausübt, mich allein schon zum wahnsinn treiben kann: die absurdität von arbeitszeit zu lohn geschweigedenn position innerhalb des sozialgeflechts machina ex reibt schon zu genüge auf und wird nur gelindert durch die gelegentlichen zusammentreffen bei bier und in unbeschwertem visionärem schwelgen was da sonst doch noch alles so möglich wäre. aber seitdem klar ist, dass wir uns eine körperschaft zulegen müssen, ein rechtskräftiges gebilde, bei dem wir alle gleich beteiligt und gleichermaßen schuld sind, in dem wir uns gegenseitig gelder zur verfügung stellen, die unter bestimmten Umständen gegen unseren Willen verwendet werden könnten, seitdem wir uns vertrauen müssen und gleichzeitig mit unseren eltern und anwälten versuchen uns voreinander zu beschützen, jede scheiß klausel in jedem scheiß ausnahmefall besprechen müssen um am ende alle kein stück mehr abgesichert zu sein sondern uns nur noch mehr zu verheddern in dem endlospapier, dass aus dem maul des bürokratischen leviathan rattert, unbarmherzig, in dem ich mich verknote und verheddere und die die ich einst freunde nannte nur noch als potenzielle betrüger und ausbeuterinnen betrachten kann. zwischen all dem geht mir mehr und mehr verloren, was wir eigentlich wollten: etwas neues bauen. leuten etwas gutes näher bringen. gemeinsam mit den coolsten leuten geilen scheiß machen. je weiter ich vordringe in die gefilde des nichtmehrnursorumprobierenssondernauchendlichmalerwachsenspielenmüssen desto mehr verstehe ich warum sam lowry eigentlich nur ein einfaches rädchen im getriebe sein will, verstehe ich die vorzüge der gleichförmigen lohnarbeit, die mir immer als das menschenunwürdigste erschien, verstehe ich, warum man sich den bürokratischen ungeheuern hingibt und ihnen die flöe aus den stinkenden zotteln und die käfer aus den zahnräder puhlt. und trotzdem hoffe ich nicht alle zu verlieren, die mir was bedeuteten, zwischen neid und vorsicht, zwischen regelungen und verpflichtungen, zwischen verantwortung und honorarverhandlungen. ich hoffe dass ich doch noch ein bisschen echte freiheit behalten kann, dass ich nicht beginne zu glauben dass der kuchen am ende doch die wahrheit ist und ich nur unwürdig ihn zu bekommen.